Cyberkrieg und Clausewitz

Cyberkrieg und Clausewitz

Einleitung

Was würde Clausewitz heute zu dem Begriff „Cyberkrieg“ sagen? Schwer darauf eine Antwort zu  finden und deshalb werde ich den Begriff „Cyberkrieg“ im Kontext des Clausewitz-Begriffes eines „Krieges“ in meinem Blog beschreiben. Was verstehen wir unter dem Begriff „Cyberkrieg“? Nun, den meisten Menschen tut sich ein Bild eines „jugendliche Hacker auf der Kernkraftwerke in die Luft sprengt“. So zu mindestens kennen wir es aus Hollywoodfilmen und die Frage ist, ob der Begriff eines „Cyberkrieges“ auch so in unserer Realität existieren kann. Glaubt man den Politikern, Geheimdienstlern und Militärexperten in diversen „Denkfabriken“, dann steht dieser Begriff als Realität schon seit längerem im Raum. An diesem Punkt sollte man vielleicht einen Schritt zurück gehen und sich daher erst einmal eine Frage stellen; und zwar …

„Was ist Krieg?“

Die Frage klingt einfach; ist sie aber nicht. Am besten kann diese Frage Carl von Clausewitz beantworten, welcher vor 200 Jahren gelebt hat. Diese Definition ist heutzutage die gängigste vom Krieg. Sie wird so wie sie ist von den meisten Militärexperten anerkannt und an den Militärakademien gelehrt. Diese lautet …

„Der Krieg ist also ein Akt der Gewalt, um den Gegner zur Erfüllung unseres Willens zu zwingen.“

– Clausewitz: Vom Kriege, Buch I, Kapitel 1, Abschnitt 2

Clausewitz sagt hier, „ein Akt der Gewalt“. Der ist z.B. vorhanden, wenn eine Rakete in eine Radarstation des Gegners reinfliegt. Er ist aber nicht vorhanden, wenn eine Gruppe von „Hackersoldaten“ diesen per Rechner zum Absturz bringen (damit meine ich die Rechner der Radarstation). Hierbei wird in der Regel kein Menschen ums Leben gekommen. „Aber was ist, wenn man in einer Stadt ein Kernkraftwerk in die Luft sprengt? Ist dies ein Cyberkrieg?“ Dies ist ein Terrorakt und könnte sich mit großer Wahrscheinlichkeit zu einem Auslöser für weitere kriegerische Handlung entwickeln. Ähnlich war es damals auch mit dem Attentat auf den Großherzog in Sarajewo. Aber auch hier. Gehörte das Attentat wirklich zum Krieg? Die Antwort ist; Nein! Es war ein Terrorakt, welches den ersten Weltkrieg auslöste. Wir halten erst einmal fest; Cyberangriffe sind in der Regel keine Gewaltakte!

„Sind Cyberangriffe ein Instrument der Politik?“

Clausewitz sieht den Krieg als ein Instrument der Politik. Dies beschreibt er durch seine folgende Aussage:

„Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.“

– Clausewitz: Vom Kriege, Buch I, Kapitel 1, Abschnitt 24

Ein Instrument der Politik können Cyberangriffe durchaus sein aber gehören Sie auch im Sinne Clausewitz zum Krieg? Das denke ich wohl nicht. Es scheint mir eher so zu sein, als ob es sich um eine vollkommen neuen Dimension des politischen Handelns handelt. Wir können dies heute sehr gut am Beispiel mancher Großmächte sehen. Z.B. wenn Russland, USA oder China sich ab und zu irgend einen Server gegenseitig lahm legen aber ist dies bereits ein Krieg?

„Ist der Cyberraum ein neuer Raum des politischen Handelns?“

Der Cyberraum scheint eine Räumlichkeit zu sein, welcher im Gegensatz zu nationalen Territorien keine Grenzen besitzt. Und weil dem so ist, wird es auch nicht möglich sein in diesen Räumlichkeiten so richtig Krieg zu führen. Wenn wir den „Cyberkrieg“ auch im Sinne Clausewitz zum Krieg definieren wollen, müssen wir den Begriff anders definieren bzw. vervollständigen. Hierbei scheint mir jedoch der „Cyberkrieg“ mehr Ähnlichkeiten mit den damaligen „Kalten Krieg“ zu besitzen. Dieser war jedoch kein Krieg im Sinne von Clausewitz.

Fazit

Es fällt mir schwer Cyberangriffe gänzlich direkt mit kriegerischen Handlungen in Verbindungen zu setzen. Mir fehlt hier eindeutig der Akt der Gewalt und in vielen Fällen auch der instrumentelle Charakter.  Aus diesem Grund, scheint es mir vielmehr so zu sein, dass mit der Entstehung des  „Cyberraumes“ eine ganz neue Dimension des politischen Handelns sich aufgetan hat. In diesem Raum (in dem es keine Grenzen gibt) können vollkommen neue Aktivitäten seitens der Politik durchgeführt werden, welche keine kriegerischen Handlungen mehr sind. Diese haben daher genau so viel mit „Krieg“ zu tun hat, wie „ein Zitronenfalter mit dem Falten von Zitronen“ es zu tun hat. In diesem „Schlachtfeld“ existieren nämlich keine Kanonen, Minenfelder, Panzer etc. Wenn man es ganz extrem treibt, dann wäre ein Cyberkrieg eine eher sehr „langweilige“ Angelegenheit. Maschinen die sich gegenseitig mit „Code bewerfen“ ;-).

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