Die KI vor Gericht
Beschreibt die KI vor Gericht (auf einer Waage)

Die KI vor Gericht

>>Binärlos steht ein Rechner vor Gericht und wartet auf sein Urteil. Lebenslänglich oder nicht, dies ist ihm egal und der Richter zweifelt mittlerweile an die Sinnhaftigkeit seines Berufes. <<

Ich gebe zu, die Situation klingt merkwürdig. Wie kann eine Maschine vor Gericht stehen? Normalerweise können das doch nur Personen (oder Gesellschaften) aber Maschinen? OK. Sie steht also vor Gericht. Weswegen? Sagen wir mal (um es dramatischer zu machen) wegen Mordes. Z.B. nehmen wir an, dass die KI einen Wagen fuhr und die Wahl hatte, entweder in eine Menschenmenge oder gegen eine Wand zu fahren. Die KI entschloss sich das Leben des Beifahrers zu schützen und raste mit voller Wucht in eine Menschenmenge. Diese überquerte gerade einen Zebrastreifen. Auf jeden Fall „steht“ die KI vor Gericht und der Richter fragt die KI, warum sie (kein „Es“) das Fahrzeug so geführt hat, dass es zu dem Unfall kommen konnte. Die KI muss also ihre Entscheidung begründen und jetzt kommen wir so langsam zu dem Kern dieses Blogs. Keine KI, ich wiederhole, keine KI ist heute in der Lager die Entscheidung welche sie trifft zu begründen. Ein Mensch ist im Stande dies zu tun –  eine KI momentan nicht! Eine KI ist heutzutage nichts weiteres als ein „angelerntes“ Neuronales System. Viele Menschen vergessen dies und ich denke, dass dies eines der entscheidenden Hindernisse ist, KI-Systeme das Steuern von Fahrzeugen zu überlassen. Wir haben es hierbei nicht nur mit einer technischen, sondern auch mit einer rechtlichen Herausforderung zu tun.

Nachvollziehbarkeit

Ich habe mal gehört, dass wir Menschen „Kausaljunkies“ sind. Dieser Begriff beschreibt uns Menschen sehr gut und erklärt, warum unsere Gesellschaft so aufgebaut ist wie sie ist. Vor allem unser Rechtssystem. Alles muss Nachvollziehbar sein und das bedeutet, dass Aussagen durch Fakten kausal verbunden sein müssen. Unser Gehirn ist offensichtlich in der Lage dies zu leisten. Wenn unser Gehirn dies kann, müsste es eigentlich auch eine KI können, da diese ebenfalls ähnlich wie ein Geherin aus Neuronen aufgebaut ist. Bedeutet, man bräuchte eine zusätzliche Schicht (oder Bereich), welches in der Lage ist Entscheidungen zu begründen. Doch bedeutet dies, dass die KI ein Bewusstsein bräuchte? Meine Meinung ist „Ja“!. Die KI braucht etwas was dem Bewusstsein ähnelt. Entweder ein „kausales KI-Bewusstsein“ oder wir müssen unser Rechtssystem ändern. Die Frage ist: Wollen wir letzteres?

Haftungsfrage KI oder „Wer zahlt?“

Nachvollziehbarkeit hin oder her. Letzten Endes, reduziert sich alles auf eine Frage, die lautet „Wer zahlt?“. Versicherungen werden in diesem Fall ein ganz neues Geschäftsfeld bekommen, denn es werden nicht nur Fahrzeuge gesondert versichert werden müssen, sondern auch Häuser und Wohnungen (s. Smart Home), sowie anderweitige Geräte (s. Alexa die Eigenständig Kaufverträge abschließt) und Maschinen (s. eigenständig operierende Kräne, die “aus versehen” das falsche haus abreissen).

Autonomes Fahren

Wie sieht es nun mit dem prominentesten und meist diskutiertesten Beispiel aus? Dem autonomen fahren. In Deutschland existieren 5 Automatisierungsgrade des autonomen Fahrens. Diese wären:

Stufe 0 Driver Only:Der Fahrer führt dauerhaft Längs und Querführung am Fahrzeug durch. Es findet kein Eingreifen seitens des Systems statt.

Stufe 1 Assistiert:Der Fahrer führt dauerhaft Längs oder Querführung am Fahrzeug durch. Das System übernimmt jeweils die andere Funktion.

Stufe 2 Teil-Automatisiert:Der Fahrer muss das System dauerhaftüberwachen. Das System übernimmt Längs- undQuerführung in einem spezifischen Anwendungsfall.

Stufe 3 Hoch-Automatisiert:Der Fahrer muss das System nicht mehr dauerhaftüberwachen Er muss aber potentiell in der Lage sein, das Fahren wieder zu übernehmen. Dies hängt vom spezifischen Anwendungsfall ab. Das System erkennt Systemgrenzen und fordert den Fahrer rechtzeitig zur Übernahme auf.

Stufe 4 Voll-Automatisiert:Es ist kein Fahrer im spezifischen Anwendungsfall mehr erforderlich. System kann im spezifischen Anwendungsfall alle Situationen bewältigen.

Stufe 5 Fahrerlos: Von „Start“ bis „Ziel“ ist kein Fahrer erforderlich. Das System übernimmt alle Aufgaben des Fahrers in allen Situationen.  

Man achte hier auf die Bezeichnung „spezifischer Anwendungsfall“. Dies können „einfache“ Sachen wie z.B. Einparkassistenten, Spurhalter, Abstandsregler bis hin  zu eigenständigen Fahrern auf Zuruf sein. In Deutschland sind momentan Fahrzeuge bis zur Stufe 4 zulassungsfähig.  Die „Königsdisziplin“ wäre die Stufe 5 und hier spalten sich die Geister.

Es ist eine „politische“ und keine technische Frage. Technisch gesehen wird das meiner Meinung noch sehr lange dauern. Die Frage ist vielmehr; „Möchten Stufe 5 jetzt schon haben?“. Wenn wir die Stufe 5 betrachten und diese einfach „mit Gewalt“ als Gesetz implementieren, dann steht dem ganzen ja nichts im Weg? So machen es bereits viele Länder und so werden es bald auch viele andere Länder nachmachen. Wenn am Ende statistisch gesehen es weniger Verkehrsunfälle gibt, dann ist doch die ganze Diskussion vollständig obsolet? Man kann die Sache auch umgekehrt betrachten. Soll den jeder Mensch in Zukunft auch fahren dürfen? Gut möglich dass sich zukünftige Generationen über unsere jetzige Gesellschaft wundern (und lustig machen) werden, wie sehr wir doch darauf bestanden haben, Fahrzeuge eigenhändig auf Autobahnen zu fahren.

KI-Gütesiegel

Ich weiß.  Das mit dem KI-Gütesiegel klingt jetzt typisch Deutsch aber brauchen wir nicht so etwas wie eine Qualitätseinschätzung von KI-Systemen? Ist ein KI-System aus China (welches heutzutage als „State of the Art“ anzusehen ist) mit einem aus Frankreich oder Deutschland ( hierzu sage ich nichts) zu vergleichen? Wie soll man eine vernünftige Versicherungspolice abschließen können?  Ich denke, dass es in Zukunft solch einen KI-TÜV zwangsweise geben werden muss und das wird auch gut so sein.

Fazit

Ich hoffe, dass ich mit diesem Artikel einen anderen Blickwinkel auf KI-Systeme geben konnte. Zwangsweise werden wir „Kausalität“ in die KI-Systeme einbauen und unser Rechtssystem überdenken müssen. Wir dürfen deswegen in Europa aber nicht zu langsam vorgehen, da wir anderen Ländern (vor allem China und die USA) auch weiterhin hinterher „humpeln“ werden, anstatt aufzuholen und den Lead zu übernehmen aber geht das mit den jetzigen Technokraten aus Brüssel?

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